Madness: Theatre Of The Absurd Presents C’Est La Vie

Madness Pressefoto BMG

Jahrelang war es ruhig um die legendäre Ska-Pop-Band Madness. Gelingt Suggs & Co. mit einem neuen Konzeptalbum die Rückkehr zur Bestform?

von Werner Herpell

Wie sehr Madness in ihrer 45-jährigen Karriere aus dem Ska/Punk-Underground des vogelwilden Debüts „One Step Beyond“ (1979) zum hochgeschätzten englischen Kulturgut aufgestiegen sind, machen zwei große Namen derzeit wieder einmal sehr deutlich: Die britische Schauspiel-Legende Helen Mirren höchstpersönlich gab kürzlich in „a dramatic reading“ die Lyrics der Comeback-Single „C’est La Vie“ zum Besten; und auf dem nun folgenden 13. Madness-Album spricht Mirrens kaum weniger berühmter Kollege Martin Freeman die sechs kurzen Spoken-Word-Passagen von „Prologue“ bis „Fin“. 

Eine Rückkehr zur Hochform

Madness C'est La Vie Albumcover

Mehr Verbeugung vor

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jener einst eher leichtgewichtigen Two-Tone-Band aus Camden Town im Norden Londons geht kaum. Und Madness – zu deren Line-Up weiterhin die Gründungsmitglieder Mike Barson, C.J. Foreman und Lee Thompson sowie Graham „Suggs“ McPherson als Frontmann gehören – „liefern“ auch auf der neuen Platte mit dem Bandwurmtitel „Theatre Of The Absurd Presents C’Est La Vie“. Sieben Jahre nach der Veröffentlichung des nur mittelmäßigen „Can’t Touch Us Now“ laufen die Ska-Pop-Ikonen mit einem höchst unterhaltsamen Konzeptalbum erneut zur Hochform auf. Die wie ein Theaterstück in mehrere Akte unterteilte Geschichte erinnert insofern an das Madness-Meisterwerk „The Liberty Of Norton Folgate“ von 2009, auch wenn dessen Klasse nicht ganz erreicht wird.

Madness haben sich trotz wachsender Seriosität als Pop-Band in den erfolgreichen 80er Jahren („It Must Be Love“, „Our House“) glücklicherweise nie zu ernst genommen – wer einmal eines der äußerst spaßigen Konzerte dieser Truppe gesehen hat, kann das bestätigen. Auch „Theatre Of The Absurd…“ ist wieder voller witziger Anspielungen in den Texten (und musikalisch natürlich erneut von großer Raffinesse). Der Titelsong handelt laut Komponist und Keyboarder Barson „von diesen verrückten Zeiten, in denen wir leben, und davon, dass ich einfach nur auf meinem Boot bleiben und kein Teil dieses Wahnsinns sein möchte. Aber natürlich bin ich Mitglied einer Gruppe namens Madness. Vielleicht hätten wir uns ‚Sanity‘ nennen sollen…“

„Harmonischste Aufnahmeerfahrung“ von Madness

Nach einigen Jahren der Zerrüttung „kamen Madness Anfang des Jahres in einer Industrieanlage in Cricklewood wieder zusammen, wo Suggs, Mark, Chrissy Boy, Mike, Lee und Woody erkannten, dass das, was sie verband, immer größer war als das, was sie trennte“, berichtet ihr Label BMG. Das Album blieb nach all den Jahren mit dem renommierten Produzenten-Duo Clive Langer/Alan Winstanley erstmals komplett in den Händen der Band und wurde „ihre bisher harmonischste Aufnahmeerfahrung“.

Die Frische und Energie dieser knappen Stunde neuer Madness-Musik, angesiedelt zwischen eingängigem Reggae und Funk, Ska-Pop und typisch britischen Music-Hall-Sounds – sie beeindruckt, ja begeistert. Und die Platte sollte auch möglichst nicht häppchenweise genossen werden, sondern „am Stück“ – denn so ist dieses starke Album gemeint. Als „Mittel gegen das Chaos der letzten Jahre“, wie von der Band selbst empfohlen, könnte „Theatre Of The Absurd Presents C’Est La Vie“ also tatsächlich funktionieren. Wer bei mitreißenden Songs wie „Baby Burglar“, „Round We Go“, „Is There Anybody Out There?“, „Run For Your Life“ oder „In My Street“ nicht zumindest ein bisschen bessere Laune kriegt, dem ist wohl wirklich nicht mehr zu helfen.

Das Album „Theatre Of The Absurd Presents C’Est La Vie“ von Madness erscheint am 17.11.2023 bei BMG.

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